Der burgenländische Grenzweg

Nach dem Zerfall der Habsbrugermonarchie wurde im Bereich der Steiermark und des Burgenlandes zum heutigen Slowenien eine Grenze gezogen, die so vorher nie existierte, auch nicht auf lokaler Ebene. Da ist es fast unvermeidbar, dass der Grenzverlauf so manche Kuriosität birgt, wie den burgenländischen Grenzweg zwischen dem sog. Grenzgasthaus Bonisdorf und dem Dreiländereck Ö – SL – HU. Auf einer Strecke von 5,7km verläuft die Staatsgrenze in der Mitte des Weges. Einige Häuser und Gehöfte sind nur über diesen Weg erreichbar – die Anrainer müssen also immer durch 2 Staaten, um ihr Haus zu erreichen.

(A) Grenzgasthaus Bonisdorf
(B) Staatsgrenze „umfährt“ Bauernhof
(C) Kölbereck
(D) Dreiländereck
Blaue Linie: Rad- und Wanderweg alpenvereinaktiv.com
Länder-Bezeichnung auf den Grenzsteinen und den nachfolgenden Bildern

Ö – Österreich
RS – Republika Slovenija – Slowenien

Tore als Staatsgrenze

Damit der Grenzweg nicht unbefahrbar wird, können die Grenzsteine nicht an der tatsächlichen Grenzlinie gesetzt werden. Sie befinden sich statt dessen jeweils links und rechts am Wegrand und bilden wie bei einem Slalom „Tore“. An der Seitenfläche jedes Grenzsteines sind Richtung und Abstand (Abweichung) zur tatsächlichen Grenzlinie angeschrieben (hier: 1,8m nach rechts im Bild und 2,7m nach links im Bild).

Grenzgasthaus Bonisdorf

Mit der Maus über das/die Bild(er) ziehen, um Grenzverläufe anzuzeigen

Das Grenzgasthaus Bonisdorf (Ö) liegt direkt an der Staatsgrenze. Die idyllische kleine Kreuzung der Gemeindestraße und dem Grenzweg wird durch eine in der Kreuzungsmitte gelegene Grenzverschwenkung geteilt. „Grenztore“ (gelb strichliert), diesmal sogar eines diagonal, markieren die genaue Position der Grenzpunkte. Außerdem zeigt das Grenzgasthaus noch eine hübsche Nebennutzung eines Grenzsteines als Blumentopf-Stativ auf.

Staatsgrenze „umfährt“ Bauernhof

Um wenigstens bestehende Gehöfte nicht in der Mitte der Gebäude zu zerschneiden, weicht die Grenze manchmal von der politisch vereinbarten Definition (Wasserscheide zwischen Raab und Mur, daher Straßenmitte) leicht ab. Dennoch blieb lange Zeit das Problem der „Doppelbesitzer“: Landwirte fanden ihre Nutzflächen in 2 verschiedenen Staaten wieder. Der Grenzstein im Vordergrund ist wieder Teil eines Tores – tatsächlicher Grenzpunkt liegt 4,5m links davon in Straßenmitte